GSÖ
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Themenbereich: Zahngesundheit für Volksschulen

 

Unsere Experten:

Dr. Verena Bürkle

Immediate Past President der Österreichischen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde (ÖGK), Wissenschaftlicher Beirat der GSÖ

Dr. Axel Mory

Zahnarzt, Spezialist für Parodontologie, Österreichische Gesellschaft für Parodontologie, Wissenschaftlicher Beirat der GSÖ


Gesunde Milchzähne – Grundlage für die Zahngesundheit

Gleich zu Beginn soll der größte Irrtum rund um die Kinderzahnpflege widerlegt werden, nämlich „Milchzähne fallen ohnehin aus und sind daher nicht wichtig“.

Richtig ist: Gesunde Milchzähne sind die Grundlage für ein gesundes Gebiss im Erwachsenenalter und müssen daher mit größter Sorgfalt gepflegt und wenn nötig unbedingt auch von der Zahnärztin/vom Zahnarzt behandelt und saniert werden!


Ihr Basiswissen zum Thema Kinderzahngesundheit


Warum sind Milchzähne so wichtig?

Kariesfreie Milchzähne ersparen Ihren Kindern unnötige Schmerzen und Ihnen so manche schlaflose Nacht. Milchzähne sind für die bleibenden Zähne wichtige Platzhalter! Gehen Sie frühzeitig verloren, drohen später Zahnfehlstellungen und langwierige kieferorthopädische Behandlungen. Auch für die Entwicklung der Sprache und das richtige Wachstum der Kiefer ist ein gesundes Milchgebiss wichtig. Damit beeinflussen die Zähne erheblich das Aussehen im Erwachsenenalter. Kariöse Milchzähne stecken im Laufe der Zeit auch die nachkommenden bleibenden Zähne mit Karies an. Auch aus diesem Grund ist es besonders wichtig, sie gesund zu erhalten.

Achtung: Wechselgebiss!

Ab dem 6. Lebensjahr beginnen die ersten Milchzähne zu wackeln. Milchbackenzähne bleiben ungefähr bis zum 12. Lebensjahr, d.h. bis nach der Volksschulzeit erhalten. Wackelzähne, Zahnlücken und durchbrechende Zähne erschweren die Mundhygiene während des Zahnwechsels. Ein erhöhtes Kariesrisiko ist die Folge. Die neuen bleibenden Zähne brauchen besonderen Schutz und aufmerksame Pflege!



Zahnaufbau

Zähne bestehen aus einer knochenähnlichen Substanz, dem so genannten Dentin (Zahnbein). Darüber liegt schützend der sehr harte Zahnschmelz.

Was ist Karies?

Karies ist eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien verursacht wird. Diese wandeln Nahrungsmittelreste – vor allem Zucker und andere Kohlenhydrate – in Säuren um, die den Zahnschmelz angreifen (demineralisieren). Die Säuren zerstören den Zahnschmelz und verursachen das berühmte Loch im Zahn. Unbehandelt werden die Löcher größer, zerstören den Zahnnerv und können bis zum Verlust des Zahnes führen.

Warum sind Fluoride wichtig?

Fluoride schützen die Zähne vor den Säuren der Bakterien in der Mundhöhle und unterstützen die Wiedereinlagerung von Mineralien in den Zahnschmelz. Verwenden Sie daher fluoridierte Zahnpasta. Aber Achtung: Erst Zahnpasten ab 500–1500 ppm (auf jeder Packung angegeben!) bewirken eine ausreichende Remineralisation, weil der Effekt mit steigendem Fluoridgehalt zunimmt. Zusätzlich empfiehlt sich der Einsatz von fluoridiertem Speisesalz, das für die ganze Familie eine geeignete Kariesprophylaxe darstellt. Die zusätzliche Einnahme von fluoridhaltigen Tabletten ist aus zahnärztlicher Sicht heute nicht mehr notwendig. Ab dem 6. Lebensjahr ist auch das wöchentliche Einbürsten von Fluoridgel (Apotheke) möglich. Wird bei einem Kind eine besonders hohe Kariesaktivität festgestellt, so kann der Zahn mit Fluoridlack zusätzlich geschützt werden.
Fragen Sie dazu Ihre Zahnärztin/Ihren Zahnarzt.

Welche Zahnpasta?

Verwenden Sie im Volksschulalter eine fluoridhaltige Zahnpasta für das Wechselgebiss. Diese hat einen höheren Fluoridgehalt als Kinderzahnpasten, schmeckt aber milder als Zahnpasta für Erwachsene. Zahnpasta sollte keinesfalls zu süß schmecken, um Kinder nicht an den süßen Geschmack zu gewöhnen.

Welche Zahnbürste?

Die ideale Kinderzahnbürste hat abgerundete, weiche Borsten und einen kleinen Kopf, um alle Ecken gut zu erreichen. Wichtig ist ein dicker, rutschfester Griff, der gut und sicher in der Kinderhand liegt. Auch eine elektrische Zahnbürste ist eine gute Alternative. Eine eigene Zahnbürste für jedes Familienmitglied sollte selbstverständlich sein!



Fragen rund ums Zähneputzen

Wie lange?

2–3 Minuten

Wie oft?

Mindestens 2x täglich (morgens und abends) nach den Hauptmahlzeiten. Wenn möglich auch nach Jausen und Snacks. ACHTUNG: Nach dem Konsum von stark säurehaltigen Speisen (z.B. Salate mit Essig, säurehaltiges Obst) und Getränken (z.B. Fruchtsäfte, Cola etc.) soll mit dem Zähneputzen 30 Minuten gewartet werden.

1x täglich Zahnzwischenräume reinigen!

In den Zahnzwischenräumen sammeln sich Bakterien an, die mit der Zahnbürste nur schwer entfernbar sind. Dies gilt besonders bei sehr engen Zahnzwischenräumen. Daher nach dem Zähneputzen 1x täglich – am besten Abends – die Zahnzwischenräume mit Zahnseide reinigen. Der Umgang mit der Zahnseide muss gelernt sein, um Verletzungen des Zahnfleisches zu vermeiden: Eine Prophylaxeassistentin/ein Prophylaxeassistent zeigt gerne, wie‘s richtig geht!

Wie oft Zahnbürste wechseln?

Nach spätestens drei Monaten sollte die Bürste ausgewechselt werden (ideal: alle 6 Wochen). Tipp: Weil jede Jahreszeit drei Monate dauert, kann man sich ganz leicht merken, wann es Zeit für eine neue Zahnbürste ist. Wenn Borsten wegstehen oder ausfransen, schon früher austauschen, ebenso nach einer Erkältung: Die Keime sammeln sich in den Borsten und können zu einer raschen Neuerkrankung führen.

Zahnarztbesuch ohne Angst?

Im Idealfall sollte schon nach Durchbruch des ersten Milchzahns der erste Zahnarztbesuch erfolgen. Auch durch die Kindergartenzeit hindurch wird die 2x jährliche Kontrolle unbedingt empfohlen. Falls Sie bisher noch nie mit Ihrem Kind beim Zahnarzt gewesen sind, sollten Sie umgehend einen ersten Besuch vereinbaren und regelmäßige 2x jährliche Kontrollen zu einem Fixpunkt werden lassen!

Es ist wichtig, die kleinen PatientInnen kindgerecht und spielerisch an die zahnärztliche Behandlung heranzuführen.

Gehen Sie daher unbedingt mit Ihrem Kind zur Zahnärztin/zum Zahnarzt, solange noch alles in Ordnung ist! So gewöhnt sich Ihr Kind an die Atmosphäre und lernt, ohne Angst den Mund zu öffnen, um der Zahnärztin/dem Zahnarzt einen Blick hinein zu erlauben. Viele Erwachsene haben Angst vor dem Zahnarztbesuch – versuchen Sie, diese Angst nicht auf Ihr Kind zu übertragen und hier Vorbild zu sein. Suchen Sie eine Zahnärztin/einen Zahnarzt, die/der gerne Kinder behandelt, sich die Zeit nimmt und bereit ist, sich mit Ihrem Kind auseinanderzusetzen.

Versiegelung

Auch vorbeugend kann in der Zahnarztpraxis einiges getan werden: Tiefe Rillen und Furchen, die mit der Zahnbürste nur schwer zu erreichen sind, können mit Kunststoff-Lack versiegelt werden, um die Entstehung von Karies zu verhindern. Meist werden die ersten bleibenden Backenzähne versiegelt, die mit ungefähr 6 Jahren durchbrechen.

Termin bei der Prophylaxeassistentin/dem Prophylaxeassistenten

Eine Prophylaxeassistentin/ein Prophylaxeassistent ist in Arztpraxen für die professionelle Mundhygiene verantwortlich. Auch für Ihr Kind können Sie einen Termin bei ihr/ihm vereinbaren. Der Besuch ist für Ihr Kind mit Sicherheit ein angenehmes Erlebnis! Sie/er schaut sich die Zähne ganz genau an und zeigt Ihrem Kind, wie man richtig Zähne putzt und worauf man bei der Mundhygiene achten muss.


Gesunde Zähne durch richtige Ernährung

Die richtige Ernährung ist für die Zahngesundheit ebenso wichtig wie die regelmäßige und gründliche Reinigung der Zähne!

Speichel fördert die Selbstreinigung der Zähne

Im Vergleich zu unseren Vorfahren nehmen wir heute vermehrt „weiche Nahrung“ zu uns. Damit bilden wir während des Essens auch weniger Speichel. Die bei der Nahrungsaufnahme entstehenden Säuren sollten aber durch ausreichend Speichel neutralisiert werden (Pufferwirkung des Speichels), damit sie die Zahnoberflächen nicht angreifen und „entmineralisieren“.

Zusätzlich fördert der Speichel den Wiedereinbau zahnhärtender Mineralien in den Zahnschmelz (Remineralisation). Diese Remineralisation wird bei ausreichender Fluoridierung beträchtlich gesteigert. Durch das Kauen von zuckerfreiem Kaugummi kann der Speichelfluss angeregt werden.

Süßes! Achten Sie auf "versteckten" Zucker!

Ein anderes grundlegendes Problem unserer heutigen Ernährung ist der hohe Zuckergehalt in Nahrungsmitteln, in denen wir gar keinen Zucker vermuten. Dieser „versteckte“ Zucker findet sich in Softdrinks, Müsliriegeln, Fruchtjoghurts, aber auch in vielen Fruchtsäften, Mineralwässern mit Geschmack sowie in Ketchup und Fertiggerichten. Der in Nahrungsmitteln enthaltene Zucker ist für sich alleine betrachtet nicht zahnschädlich. Die im Mund vorhandenen Bakterien allerdings nehmen diesen Zucker auf und produzieren daraus beträchtliche Mengen an Säure, welche die Zähne angreift (entmineralisiert!).



Zahngesunde Jause

Achten Sie darauf, Ihrem Kind speziell für zwischendurch möglichst (zahn)gesunde Snacks mitzugeben. Verzichten Sie in der Regel auf stark kohlenhydrathaltige Speisen.

Zahngesunde snacks für zwischendurch

sind z.B.: Käse, rohes Gemüse, Naturjoghurt, Popcorn, Nüsse, Reiskekse, dunkles Brot oder Vollkornweckerln.

TIPPs:

  • Kinder knabbern gerne: Geben Sie Ihrem Kind auch für die Schule kauintensive Nahrung wie Karotten oder ein „Scherzl“ vom Schwarzbrot mit – das regt den Speichelfluss an.
  • Präsentieren Sie Obstspießchen und lustige Gemüsegesichter als Snacks für zwischendurch.
  • Für den Durst zwischendurch eignet sich Wasser am besten.
  • Eine Alternative für Kinder sind sehr stark verdünnte 100%ige Fruchtsäfte oder ungesüßter Früchtetee!

Regeln für´s Naschen

Die meisten Kinder lieben Süßes – die Kariesbakterien im Mund leider auch! Nachdem man das Naschen nicht ganz verbieten soll und kann, sollten ein paar wichtige Regeln beachtet werden:

Keine dauernde Zuckerbelastung

Geben Sie (natürlich mit Ausnahmen) keine Zuckerln oder Schlecker. Die Mundhöhlenbakterien wandeln den Zucker rasch in Säuren um, die den pH-Wert des Speichels in einen für die Zähne

schädlichen Bereich absenken. Es dauert etwa eine Stunde, bis saurer Speichel wieder seinen neutralen pH-Wert erreicht. Wird in jeder Schulpause ein süßer Snack verzehrt, eine süße

Limonade oder ein saurer Fruchtsaft getrunken, kann sich ein zahnschädigendes Milieu den ganzen Tag lang im Mund aufbauen, was speziell den mineralarmen Milchzahnschmelz bzw. den unreifen Zahnschmelz gerade durchbrechender bleibender Zähne trifft. Für zwischendurch lieber eine Wasserflasche mitgeben.

Alles auf einmal

Wenn Ihr Kind naschen möchte, sollte es das im Rahmen einer Mahlzeit als „Nachspeise“ tun. Eine Tafel Schokolade auf einmal schadet den Zähnen weniger als viele kleine Stückchen über den ganzen Tag verteilt. Danach Zähne putzen! (30 Minuten Wartezeit einhalten.)

Zuckerfreier Kaugummi für Kinder - Süßigkeit für gesunde Zähne.

Zuckerfreier Kaugummi wird von ZahnärztInnen anstelle von Süßigkeiten und als sinnvolle Mundhygiene für zwischendurch empfohlen. Kinder haben Spaß daran und tun damit auch den Zähnen Gutes.

ACHTUNG: Auch Saures kann die Zähne schädigen!

Auch saure Lebensmittel (z.B. Essig in Salaten; Obst, Fruchtsaft) wirken direkt auf den Zahnschmelz ein. Wasser oder zuckerfreier Kaugummi im Anschluss unterstützen die Neutralisierung der Plaquesäuren! Tipp: Nach säurehaltiger Nahrung etwa eine halbe Stunde mit dem Zähneputzen warten!


Zahnpflege zwischendurch

Im Idealfall sollten die Zähne nach jeder Mahlzeit geputzt werden, was im Alltag mit Kindern und meist auch in der Schule nur schwer umsetzbar ist. Trotzdem lässt sich auch zwischendurch einiges für gesunde Zähne tun.

TIPP 1: Nach dem Essen Wasser nachtrinken oder ausspülen

Lassen Sie Ihr Kind nach dem Essen unterwegs Wasser nachtrinken oder ausspülen, um grobe Speisereste wegzuspülen. Das Wasser hilft auch, die Säuren im Mund zu „verdünnen“ (= Anstieg des pH-Wertes). Bringen Sie Ihrem Kind bei, mit Wasser auszuspülen, nachdem es etwas gegessen oder ein süßes Getränk getrunken hat. Das ist auch in der Schule möglich.

TIPP 2: Zuckerfreier Kaugummi

Zuckerfreier Kaugummi stellt aus zahnmedizinischer Sicht eine sinnvolle Ergänzung der täglichen Mundhygiene dar. Er wird von ZahnärztInnen nach jedem Essen oder Trinken empfohlen, wenn Zähneputzen nicht möglich ist. Kaugummi zur Zahnpflege für Kinder schmeckt süß, macht Kindern Spaß, ist jedoch zuckerfrei und damit ein leckerer Nachtisch, der Kindern anstelle von Süßigkeiten nach dem Essen gegeben werden und so die Zahnhygiene unterwegs sinnvoll ergänzen kann. Während des Unterrichts ist Kaugummikauen jedoch meist nicht erlaubt.
Studien belegen: Regelmäßiges Kauen von zuckerfreiem Kaugummi nach dem Essen und Trinken zwischendurch, zusätzlich zum Zähneputzen morgens und abends, unterstützt die Neutralisierung der Plaquesäuren, die ein Risikofaktor bei der Entstehung von Zahnkaries sind.

Warum?

Nach jedem Essen oder Trinken sinkt der so genannte „pHWert“ in den sauren Bereich. Die Plaquesäuren greifen den Zahnschmelz an und machen ihn porös. Zuckerfreier Kaugummi hilft, dem Säure- Angriff auf den Zahnschmelz entgegenzuwirken, indem der Speichelfluss angeregt wird. Die Plaquesäuren werden neutralisiert, der Zahnschmelz wird remineralisiert – beides Risikofaktoren bei der Entstehung von Karies.


20 Minuten!

Die optimale Wirkung hat das Kauen von zuckerfreiem Kaugummi, wenn er mehrmals am Tag – nach dem Essen und Trinken – für jeweils 20 Minuten gekaut wird.
WICHTIG: der Kaugummi ist kein Ersatz für gründliches Zähneputzen morgens und abends!


„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!“

Eine Chance fürs ganze Leben! Wenn wichtige Gewohnheiten in der Kindheit etabliert werden, fällt es im Erwachsenenalter leicht, diese beizubehalten. Das gilt für gutes Benehmen ebenso wie für Zahnpflege und Körperhygiene.

Eltern als Vorbild

Das Vorbild der Eltern spielt bei der Zahnpflege eine besonders große Rolle. Es gehört zu den elterlichen Pflichten, ihre Kinder bei der Zahnpflege zu unterstützen. Abgesehen von der Gesundheit gilt: Kaputte Zähne vermitteln keinen gepflegten Eindruck – dieser ist aber sowohl im Privat- als auch im Berufsleben später von großer Bedeutung. Deshalb ist es wichtig, dass Eltern ihrem Kind auch bei der Zahngesundheit die besten Voraussetzungen mitgeben.


Mit freundlicher Unterstützung:

www.wrigley.at                              www.elmex.at


Downloads

Die Broschüre der GSÖ zum Thema Zahngesundheit können Sie >>hier downloaden!