GSÖ
Vorstand
Statuten
Mitgliedschaft

Themenbereich: Kleinwuchs

 

Unser Experte:

OA Dr. Gerhard Köstl

Kleinwuchs

Wann, wie schnell und wie viel man wächst hängt von vielen Faktoren ab und ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Das Wachstum ist ein Gradmesser für das Wohlergehen und die Gesundheit eines Kindes. Sollten Sie als Elternteil jedoch das Gefühl haben, dass Ihr Kind sich nicht normal entwickelt, suchen Sie unbedingt einen Arzt auf, um die Ursache dafür abklären zu lassen.

Oft wird zurückbleibendes Wachstum bei Kindern mit einem „Das wächst sich schon aus“ oder „Das holt sie/er in der Pubertät nach“ bagatellisiert. Dies ist jedoch nicht immer der Fall. So kann jede chronische Allgemeinerkrankung aber auch eine hormonelle Störung das Wachstum beeinträchtigen. In Österreich gibt es rund 380 bis 400 kleinwüchsige Kinder, bei denen ein Wachstumshormonmangel die Ursache für ihre Kleinwüchsigkeit darstellt. Jährlich kommen 26 bis 30 neue PatientInnen hinzu.
Bei auffälligem Wachstum kann es mitunter schwierig sein, eine Normvariante von einer echten Wachstumsstörung zu unterscheiden. Es ist daher wichtig, eine solche Wachstumsstörung frühzeitig zu erkennen, um rechtzeitig mit einer Therapie helfen und das Wachstum begünstigen zu können. Die Schulärztin/der Schularzt misst die Körpergröße im Rahmen der jährlichen Untersuchung an der Schule, um eventuelle Auffälligkeiten frühzeitig bemerken zu können. Neben der Behandlung der physischen Komponente ist es wichtig, Kinder mit Kleinwuchs auch psychisch auf das Erwachsenwerden vorzubereiten. Wenn ein Kind "zu klein für sein Alter" ist, sollte sein Umfeld (andere Kinder, Eltern, Lehrer, Schul- und Hausärzte) sehr aufmerksam und sensibel damit umgehen.

Wovon hängt das Wachstum ab?

Wachstum hängt von vielen gesundheitlichen, psychischen und sozialen Faktoren ab. Bereits ein Mangel an Zuneigung,  Liebe und sozialer Integration kann das Wachstum beeinträchtigen. Umwelteinflüsse, z. B. Alkohol und Nikotin in der Schwangerschaft, tragen zu einem vorgeburtlichen Kleinwuchs bei.
Drei große Haupteinflussfaktoren sind für normales Wachstum verantwortlich:

1. Vererbung:
Die Körpergrösse wird in einem gewissen Rahmen vererbt. Mit einer einfachen Formel, die auch dem geschlechtsspezifischen Größenunterschied Rechnung trägt, kann man aus der Elterngröße die sogenannte Zielgröße berechnen (Formel dafür im Abschnitt "Diagnose").

Wird die Zielgröße auf der Wachstumskurve eingetragen, so sieht man auf einen Blick, ob das Kind ungefähr in den Zielgrößenbereich der Eltern hineinwachsen wird. In den meisten Fällen ergibt die Formel aber eine sehr gute Arbeitsgrundlage, bei sehr unterschiedlichen Eltern- oder Großelterngrößen kann sie aber auch etwas irreleiten, wenn das Wachstumsmuster des Kindes eher der „kleinen Mutter“ oder dem „großen Großvater“ folgt.
Über diese, bei jedem Menschen zu tragen kommenden vererbten Einflüsse hinaus, gibt es aber auch eine Reihe von genetischen Störungen, beispielsweise Veränderungen der Chromosomenanzahl oder der Chromosomenstruktur, die mit Veränderungen des Wachstums einhergehen.

2. Ernährung:
Besonders in Zeiten des schnellen Wachstums, wie etwa in den ersten Lebensjahren und in der Pubertät müssen die wachsenden Zellen des Körpers mit reichlichen und gut ausgewogenen Nahrungsbausteinen versorgt werden. Die Nahrung muss neben Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten auch Vitamine und Spurenelemente in ausreichender Menge enthalten. Das ist in der heutigen Zeit meist der Fall, sodass eher Störungen der Verdauung und der Aufnahme der Nährstoffe durch den Darm, wie beispielsweise Zöliakie oder chronisch entzündliche Darmerkrankungen eine Rolle spielen.

3. Hormone:
Hormone sind chemische Botenstoffe des Körpers, die nach Bedarf ausgeschüttet oder zurückgehalten werden. Wichtige Hormone für das Körperwachstum, für die Beeinflussung der Aktivitäten des Stoffwechsels und die körperliche Entwicklung sind das Wachstumshormon, die Schilddrüsenhormone und die Geschlechtshormone.

Weiterführende Informationen zu den Ursachen finden Sie auch auf
http://www.hochhinaus.co.at

Ist mein Kind kleinwüchsig? Welche Größe ist normal?

Ist Ihr Kind im Vergleich zu Altersgenossen kleiner, kann es trotzdem völlig gesund sein und das Wachstum verläuft nur etwas verzögert. Sollte aber tatsächlich etwas nicht in Ordnung sein, sollte nicht abgewartet werden, denn sonst geht wertvolle Therapiezeit verloren. Darüber hinaus können dem Kind durch frühzeitiges Eingreifen viele Hänseleien und psychische Probleme erspart bleiben. Die einfachste Methode herauszufinden, ob ein Kind oder ein Jugendlicher für sein Alter zu groß oder zu klein ist, besteht darin, seine Größe auf der Perzentilenkurve einzutragen und zu verfolgen:

Download:
Wachstums- und Gewichtskurven in Perzentilen für Jungen
Wachstums- und Gewichtskurven in Perzentilen für Mädchen

Diese Kurven wurden durch Messungen  tausender gesunder Kinder jeder Altersgruppe  ermittelt. Noch einfacher ist es, einen Perzentilenrechner, dem diese Kurven hinterlegt sind, zu verwenden. Das Ergebnis wird als Zahl (so genannte „Perzentile“) ausgedrückt und grafisch als Markierung auf der entsprechenden Kurve dargestellt. Ein Platz auf der 10. Perzentile bedeutet beispielsweise, dass neun gleichaltrige gesunde Kinder des gleichen Geschlechts kleiner und 90 größer sind. Liegt der Wert unter der 3. bzw. über der 97. Perzentile, weist das auf eine mögliche Wachstumsstörung hin und sollte Anlass für eine genauere Untersuchung des Kindes sein.

Sie haben den Verdacht, dass Ihr Kind im Vergleich zu Gleichaltrigen zu klein ist?
Hier finden Sie einen Wachstumsrechner:
http://genoclub.hochhinaus.co.at/Perzentilenrechner/
Dieses Ergebnis kann eine Grundlage für ein Gespräch mit Ihrer Kinderärztin/Ihrem Kinderarzt oder Ihrer Hausärztin/Ihrem Hausarzt darstellen. Viel aussagekräftiger als ein Einzelwert sind aber wiederholte Messungen, also die Messung der Größenzunahme im zeitlichen Verlauf, die Wachstumsgeschwindigkeit. Solange ein Kind regelmäßig entlang oder parallel zu einer Perzentilenkurve wächst, ist die Wachstumsgeschwindigkeit normal. Ist die Wachstumsgeschwindigkeit über längere Zeit vermindert, geht dies mit einem Abfall von der Längen-Perzentile einher. Dies ist ein starker Indikator für eine gesundheitliche Beeinträchtigung Ihres Kindes. Auch für die Beurteilung der Wachstumsgeschwindigkeit gibt es Vergleichskurven.

Diagnose

Um festzustellen, ob die Größenentwicklung eines Kindes oder Jugendlichen von der Norm abweicht, müssen folgende Punkte erhoben werden:

· Körpergröße und -gewicht im Vergleich zur Referenzkurve der Normalbevölkerung

· Genetische „Zielgröße“ (kann rechnerisch aus der Größe beider Elternteil ermittelt werden):

Ziel = (Größe Vater + Größe Mutter / 2)

– 6,5cm für Mädchen

+ 6,5cm für Knaben

· Wachstumsgeschwindigkeit im Vergleich zur Referenzkurve der Normalbevölkerung

· Körperproportionen

· Skelettalter (Aus einer Röntgenaufnahme der Hand kann das biologische Alter ermittelt und daraus das noch zu erwartende Wachstum abgeschätzt werden.)

Da Wachstum ein dynamischer Prozess ist, sind mehrere Messungen über zumindest ein halbes Jahr nötig. Bei Verdacht einer krankhaften Wachstumsstörung sind auch Blutuntersuchungen einschließlich der Bestimmungen des Wachstums- und Schilddrüsenhormonstoffwechsels notwendig. Ihre Kinderärztin/ihr Kinderarzt wird die Ergebnisse mit Ihnen besprechen, um gegebenenfalls weitere Schritte einzuleiten oder eine Überweisung des Kindes an eine Spezialambulanz für Wachstums- und Hormonstoffwechselstörungen (Pädiatrische Endokrinologie) zu veranlassen. Dort können spezialisierte FachärztInnen weitere Untersuchungen für eine eindeutige Diagnosestellung durchführen.

Therapie

Wenn alle nötigen Untersuchungen durchgeführt wurden und die Ursache genau bekannt ist, wird über die Therapie entschieden. Bei Wachstumshormonmangel bestimmt der Arzt die Menge des Wachstumshormons, das täglich verabreicht wird und die natürliche Situation möglichst genau nachahmen soll.  In mindestens halbjährlichen Untersuchungen muss kontrolliert werden, ob die Therapie erfolgreich ist und wie das Wachstum verläuft. Auch bei einigen genetisch bedingten Erkrankungen, bei denen kein Wachstumsshormonmangel festzustellen ist, ist eine Hormontherapie oft sinnvoll, um das Erreichen einer annähernd normalen Größe zu unterstützen.

Weiterführende Links und hilfreiche Downloads

Informationsseite zum Thema Wachstumsstörungen:
http://www.hochhinaus.co.at

Wachstumsrechner
http://genoclub.hochhinaus.co.at/Perzentilenrechner/

Download:
Wachstums- und Gewichtskuven in Perzentilen für Jungen
Wachstums- und Gewichtskuven in Perzentilen für Mädchen