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Themenbereich: Impfen

 

Univ.-Prof. Dr. Ingomar Mutz

Unser Experte:

Univ.-Prof. Dr. Ingomar Mutz

Präsident des Österreichischen Grünen Kreuzes für Gesundheit (ÖGK)

Impfen schützt!

Impfen schützt vor vielen Infektionskrankheiten, die heute oftmals unterschätzt werden, weil sie in unserem Land durch den Erfolg nationaler Impfprogramme nahezu nicht mehr vorkommen. Dank umfangreicher Aufklärungs- und Gesundheitsprogramme ist Eltern in allen Ländern der Welt inzwischen bewusst geworden, wie viel der Impfschutz für ihre Kinder bedeutet. Immer wieder machen sich jedoch in der Bevölkerung Ängste und Unsicherheiten in Bezug auf Impfungen breit, die auf den unsachgemäßen Umgang Einzelner mit dem Thema Impfen zurückzuführen sind. Einige wenige ideologisch motivierte ImpfgegnerInnen finden immer wieder Anlass für unangebrachte, medizinisch falsche Argumentationen, die das Vertrauen in Impfungen erschüttern und Angst machen, jedoch jeder medizinischen Grundlage entbehren. Gerade Eltern wollen stets das Beste für ihr Kind und sind daher durch Warnungen aller Art leicht zu verunsichern. Seien Sie sicher: Man muss sich nicht vor Impfungen, sondern vor den Krankheiten fürchten! Schutzimpfungen gehören zu den wichtigsten gesundheitlichen Vorsorgemaßnahmen, die Sie für sich und Ihre Kinder treffen können. 

Machen Sie den persönlichen Impfcheck für sich oder Ihre Kinder auf der Informationsseite des ÖGK: www.impfcheck.at

Wie wirken Impfungen?

Prinzip 1: Aktive Immunisierung

An vielen Infektionskrankheiten, wie z. B. Feuchtblattern oder Masern, kann man nur ein einziges Mal erkranken. Grund dafür ist, dass der Körper sich die Erreger „merkt“ und sich bei neuerlicher Infektion selbständig durch die Bildung sogenannter Antikörper schützen kann. Dieses Prinzip wird von Schutzimpfungen nachgeahmt: Bei einer „aktiven Impfung“ wird das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern angeregt, indem es mit abgeschwächten oder abgetöteten Erregern in Kontakt gebracht wird, die zwar vom Immunsystem erkannt werden, aber keine oder bei Lebensimpfstoffen nur (äußerst selten) eine milde Form der Erkrankung auslösen können. Der Körper bildet Abwehrstoffe, die den Erreger bei neuerlichem Kontakt sofort erkennen und eine rasche Reaktion des Immunsystems ermöglichen. Aktive Impfungen werden in Lebend- und Totimpfstoffe unterteilt.

a) Lebendimpfstoffe

enthalten abgeschwächte, noch vermehrungsfähige Erreger, welche das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern anregen. Lebendimpfstoffe bieten besonders guten und lang andauernden Schutz vor einer späteren echten Infektion, z. B. der Impfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR), Varizellen (Feuchtblattern) oder Herpes zoster (Gürtelrose).

b) Totimpfstoffe

enthalten abgetötete Erreger oder Erregerbestandteile, die sich im Körper nicht vermehren können. Manche neue Impfstoffe bestehen auch nur mehr aus leeren Virushüllen, die keinerlei genetisches Material enthalten (VLP – Virus Like Particles). Damit eine ausreichende Menge von Antikörpern gebildet werden kann, ist meist eine mehrmalige Gabe des Impfstoffes erforderlich (Grundimmunisierung und Auffrischungsimpfungen), z. B. Impfung gegen FSME, Hepatitis, Tetanus, Diphtherie.

Prinzip 2: Passive Immunisierung

Bei der passiven Immunisierung werden Antikörper direkt verabreicht, um eine bereits erfolgte Infektion möglichst schnell einzudämmen oder sofort vor einer Infektion zu schützen, wenn die Reaktion des Immunsystems nicht abgewartet werden kann (z. B. Tetanusimpfung). In diesem Fall werden vom Körper selbst keine Abwehrstoffe gebildet. Antikörper werden direkt verabreicht, der Schutz besteht daher nur kurz-, aber nicht langfristig.

Eine aktive Impfung „trainiert“ das Immunsystem für den Krankheitsfall, vermeidet aber die Gefahren einer „echten“ schweren Erkrankung.

Impfen als Verantwortung

Hohe Durchimpfungsraten schützen den Einzelnen und die Allgemeinheit

Impfen ist mehr als eine Einzelentscheidung! Manche Erkrankungen wie z. B. Kinderlähmung, Hepatitis B, Masern und Keuchhusten können nur von Mensch zu Mensch übertragen werden. Sie könnten ausgerottet werden, wenn sich genügend Menschen dagegen impfen ließen. Ab einer gewissen Durchimpfungsrate der Bevölkerung findet der Erreger – wenn sich dieser ausschließlich im Menschen („Wirt“) vermehren kann – immer weniger Personen, die infiziert werden können. Schließlich kann der Krankheitserreger nicht mehr zirkulieren und eine sogenannte „Herdenimmunität“ entsteht. Die Entscheidung für oder gegen eine Impfung hat daher nicht nur für den Einzelnen Konsequenzen. Die Masern Epidemie in Salzburg im Frühling 2008 zeigte deutlich, was geschieht, wenn Impfungen verweigert werden. In Österreich liegt die Durchimpfungsrate gegen Masern bei ca. 90%. Wären 95% der Bevölkerung geimpft, gäbe es in Österreich keine Masern mehr.

Impfen als Kinderrecht – UN Konvention

Kinder haben ein Recht auf bestmöglichen Schutz

Kinder haben entsprechend der UN-Konvention der Kinderrechte das Recht auf beste Gesundheitsversorgung. Dazu gehört auch der Schutz vor Erkrankungen, die durch Impfungen vermeidbar sind. Ein Abraten von Impfungen ohne Kontraindikation (triftiger medizinischer Grund) durch ÄrztInnen ist ein Verstoß gegen die Prinzipien der evidenzbasierten (beweisgestützten) Medizin. Jede Ärztin/jeder Arzt ist verpflichtet, für einen ausreichenden Impfschutz ihrer/seiner PatientInnen zu sorgen.

Sicherheit

Durch den großen Erfolg von Impfprogrammen sind heute viele Erkrankungen nur mehr vom Hörensagen bekannt. Schwere Erkrankungs- und auch Todesfälle durch Kinderlähmung, Masern, Diphtherie, Tetanus etc. treten in unseren Breiten dank entsprechend hoher Durchimpfungsraten glücklicherweise kaum noch auf. Damit ist aber auch die Gefährlichkeit vieler Infektionskrankheiten aus dem allgemeinen Bewusstsein verschwunden. Statt der Angst vor der Krankheit steht heute oft die Angst vor angeblichen „Impfnebenwirkungen“ im Vordergrund. Diese Ängste stehen jedoch in keinem Verhältnis zur Realität: Heutige, moderne Impfstoffe unterliegen strengsten Kontrollen sowohl vor als auch nach der Zulassung und gehören daher zu den am besten geprüften medizinischen Vorsorgemaßnahmen unserer Zeit!

Man muss sich nicht vor den Impfungen, sondern vor den Krankheiten fürchten! Hohe Durchimpfungsraten und die gute Wirksamkeit der Impfstoffe sind dafür verantwortlich, dass viele Infektionskrankheiten in unseren Breiten ihren Schrecken verloren haben.

Nebenwirkungen einer Impfung? Die Fakten.

Das Ziel einer Impfung ist der Schutz vor einer Erkrankung. Die Impfung regt das Immunsystem an, Abwehrstoffe zu bilden. Wenn der Körper auf eine Impfung reagiert, ist das nur in den seltensten Fällen ein Grund zur Sorge, sondern vielmehr ein Zeichen dafür, dass die Impfung wirkt (z.B. mit erhöhter Temperatur).

Mehr dazu finden Interessierte im Webportal von „Impfen? Aber sicher“, eine Informationsplattform des ÖGK für Gesundheit: http://www.impfcheck.at/sicherheit2.php

Fest steht: Der immense Nutzen von offiziell empfohlenen Schutzimpfungen steht zu dem geringen Risiko, Impfkomplikationen bzw. Impfschäden zu erleiden, in keinem Verhältnis! Impfungen gehören zu den sichersten und wirksamsten Vorsorgemaßnahmen unserer Zeit. Schwere Erkrankungs- und Todesfälle durch Krankheiten wie Masern, FSME oder Gebärmutterhalskrebs sind nach wie vor traurige Realität. Impfen kann Sie und Ihre Kinder davor schützen!

Der Erfolg von Impfprogrammen: Beispiel Masernimpfung

Die Masern-Epidemie in Salzburg im Frühjahr 2008 hat viele ÖsterreicherInnen aufhorchen lassen. Nur die relativ hohe Masern-Durchimpfungsrate von rund 90% ist dafür verantwortlich, dass die Verbreitung der Krankheit letztlich nicht eskalierte. Folgende Hochrechnungen und Fakten veranschaulichen, welchen Erfolg Impfprogramme in Zahlen mit sich bringen*:

  • In den Jahren 1990 bis 2007 wurden in Österreich durch die Masern-Schutzimpfung rund 360 Fälle von akuter Masern-Enzephalitis (Gehirnentzündung) verhindert, die bei rund einem Drittel der Betroffenen bleibende Schäden verursacht. 
  • Ohne Einführung der Masern-Mumps-Röteln-Schutzimpfung hätte es seit 1990 rund 1.300.000 Masernfälle sowie 12.570 Spitalseinweisungen wegen Masernerkrankungen in Österreich gegeben. 
  • In den Jahren 1990 bis 2007 konnten in Österreich mindestens 130 Todesfälle durch die Masern-Schutzimpfung verhindert werden.
  • SSPE (subakut sklerosierende Panenzephalitis) ist eine mögliche Komplikation der Masern, die immer tödlich verläuft. In Österreich gab es 20 Fälle seit 1995. 18 Kinder sind bereits gestorben.

Auch diese Todesfälle wären durch eine Schutzimpfung vermeidbar gewesen. Diese Kinder waren nicht gegen Masern geimpft, sondern haben eine natürliche Masernerkrankung durchgemacht – mit den schlimmsten möglichen Folgen.

Die Mythen der Impfgegener

ImpfgegnerInnen verbreiten Unwahrheiten über Impfungen

Seit Erfindung der Schutzimpfungen gibt es kleine, aber radikale Gruppen ideologisch motivierter ImpfgegnerInnen. Diese zweifeln die Wirksamkeit aller Impfungen grundsätzlich an und widersprechen in ihren Behauptungen oft den Grundlagen medizinischen Wissens. Gerade Eltern, die das Beste für ihr Kind wollen, lassen sich durch Meinungen aller Art leicht verunsichern. Häufig erkennt man nicht sofort, ob es sich um Aussagen von Einzelpersonen oder um objektive Informationen handelt. Fragen Sie die Ärztin/den Arzt oder die Apothekerin/den Apotheker Ihres Vertrauens um Rat – er/sie kann Sie korrekt und kompetent informieren. Beispiele zu den häufigsten von ImpfgegnerInnen vorgebrachten Meinungen sowie deren Erörterung finden Sie auf http://www.impfcheck.at/sicherheit4.php

HPV-Impfung: Sinnvolle Vorsorgemaßnahme

Die unsachgemäße Medienberichterstattung im Jahr 2008 hat viele junge Frauen und Eltern verunsichert. Auch an die Schulärztinnen und Schulärzte werden daher viele Fragen zu diesem Thema herangetragen.

Tatsache ist: Die Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) wird vom Österreichischen Bundesministerium für Gesundheit, Jugend und Familie sowie von allen relevanten nationalen und internationalen Behörden, Institutionen und medizinischen Fachgesellschaften nach einer Prüfung aller Fakten als sicher beurteilt und im Österreichischen Impfplan empfohlen. Die HPV-Impfstoffe wurden weltweit bisher rund 36 Millionen mal verabreicht. Außer Österreich und Finnland haben mittlerweile alle westeuropäischen Länder die staatliche Finanzierung der HPV-Impfung beschlossen. Der hohe Nutzen der Impfung ist bei Behörden und ExpertInnen unumstritten. Sie stellt in Kombination mit dem PAP-Abstrich (Krebsabstrich) eine wirksame und sichere Vorsorgemaßnahme gegen Gebärmutterhalskrebs dar und gehört zu den am besten untersuchten Impfungen unserer Zeit.

Mehr Informationen finden Sie auf http://www.impfcheck.at/sicherheit6.php oder im Rahmen des Semesterprojektes zu „Sexuell übertragbaren Erkrankungen“ >> hier

Weiterführende Links und hilfreiche Downloads

LINKS

Österreichisches Grünes Kreuz für Gesundheit: www.gruenes-kreuz.org

Impfen? Aber sicher! Viele Informationen rund um das Thema Impfen und der erste Online-Impfcheck: www.impfcheck.at

DOWNLOADS

  • Fragenkatalog zu HPV des ÖGK für Gesundheit 
  • Informationsbroschüre „Impfen? Aber sicher!“ des ÖGK für Gesundheit und der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin