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Themenbereich: Asthma

 

Dr. Ilona Feichtinger

Unsere Expertin:

Dr. Ilona Feichtinger

Fachärztin für Lungenkrankheiten

In Österreich sind rund 10% aller Kinder und Jugendlichen von Asthma betroffen. In den letzten Jahrzehnten war ein deutlicher Anstieg allergischer Erkrankungen zu beobachten, mit dem auch ein Anstieg der Asthmapatientinnen/Asthmapatienten einhergeht. Etwa jedes vierte Kind leidet im Laufe der Kindheit unter asthmaähnlichen Beschwerden. Besonders wichtig ist es, die Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen möglichst früh richtig zu diagnostizieren – dies ist leider nicht immer der Fall! Die rechtzeitige und richtige Behandlung hat entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Lebensqualität und der Lungenfunktion! In rund 40% der Fälle verschwindet kindliches Asthma beim Heranwachsen von selbst. Unbehandelt verschlechtert es sich jedoch zunehmend. Wenn von einem Kind selbst oder von Lehrerinnen/Lehrern, Eltern oder Mitschülern erste Anzeichen bemerkt werden, ist die Schulärztin/der Schularzt eine geeignete erste Ansprechperson. Wird Asthma vermutet, werden die Eltern informiert und die Schulärztin/der Schularzt leitet zur weiteren Abklärung an eine Lungenfachärztin/einen Lungenfacharzt weiter. Wichtig zu wissen: Asthma zu haben bedeutet noch lange nicht, ständig krank zu sein. Mit der richtigen Therapie und der richtigen Vorbereitung können die meisten Kinder und Jugendlichen ein ganz normales Leben führen, Sport machen und auch am Turnunterricht teilnehmen.

Sie wissen bereits, dass Ihr Kind unter Asthma oder einer anderen chronischen Erkrankung leidet? Informieren Sie die Schulärztin/den Schularzt sowie die Lehrerinnen/Lehrer Ihres Kindes, um bei Problemen und eventuellen Anfällen eine optimale Betreuung sicherzustellen. Eine Bestätigung von der behandelnden Lungenfachärztin/ dem Lungenfacharzt über die Erkrankung, deren Ausmaß, die benötigten Medikamente, Allergien und erlaubte Belastung beim Turnunterricht, hilft allen Beteiligten, der Schulärztin/dem Schularzt sowie den Lehrerinnen/Lehrern mit der Erkrankung optimal umzugehen.

Was ist Asthma (Fachausdruck: Asthma bronchiale)?

Asthma bronchiale ist eine chronische Entzündung der Atemwege mit begleitender Überempfindlichkeit der Bronchien (Äste der Luftröhre). Asthmatiker haben besonders empfindliche Atemwege, die schon auf geringe Mengen von Staub oder anderen Reizstoffen mit einer Verengung der Bronchien reagieren - es kann daher nur mehr wenig Luft durch die Bronchien strömen. Die Folgen sind Atemnot, Kurzatmigkeit und Husten. Asthma ist eine chronische Erkrankung und kann durch entsprechende Medikamente sehr wirkungsvoll therapiert, aber nicht geheilt werden.

Wie bemerke ich Asthma?

Die ersten Anzeichen von Asthma können bei Kindern sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Aufmerksam werden sollten Sie bei folgenden Symptomen:

  • anhaltender trockener Husten
  • pfeifendes Geräusch beim Atmen
  • erschwerte Atmung
  • Engegefühl in der Brust
  • Hustenanfälle beim Niederlegen, während der Nacht oder morgens
  • herabgesetzte Belastbarkeit
  • anfallsartige Atemnot (tritt oft auch nur bei Belastung auf, selbst wenn es sonst keinerlei Anzeichen einer Erkrankung gibt)

Fragen Sie die Schulärztin/den Schularzt Ihres Kindes bzw. suchen Sie direkt eine Lungenfachärztin/einen Lungenfacharzt auf, um abzuklären, ob es sich um Asthma handelt und eine entsprechende Behandlung eingeleitet werden soll.

Was passiert bei einem Asthma-Anfall?

Bei einem Asthma-Anfall schwillt die Bronchialschleimhaut an. Oft wird zusätzlich Schleim produziert, der die Atemwege weiter verengt. Die Muskulatur der Bronchien zieht sich krampfartig zusammen. Alles zusammen ist dafür verantwortlich, dass man bei einem Asthma-Anfall kaum Luft bekommt. Besonders das Ausatmen fällt schwer, es kommt daher zu einer Überblähung der Lunge. Ziel ist es, durch die richtige Therapie solche Anfälle wenn möglich von vornherein zu vermeiden. Sollte es doch zu einem Asthma-Anfall kommen, ist es wichtig, immer einen Inhalator dabei zu haben, der die Äste der Luftröhre (Bronchien) wieder erweitert und das Atmen erleichtert.

Ursachen und Auslöser für Asthma bei Kindern

Bei Kindern wird Asthma in überwiegender Zahl der Fälle durch eine Allergie ausgelöst, man spricht von „allergischem Asthma“. Die Stoffe, welche die Allergie auslösen und die Symptome hervorrufen, nennt man „Allergene“. Bei Menschen mit Allergie ist das Immunsystem des Körpers überempfindlich und richtet sich auch gegen Stoffe und Substanzen, die eigentlich nicht schädlich für den Körper sind (wie. z.B. Bäume- und Gräserpollen und Tierhaare).

Häufigste (spezifische) Reize, die mit einer Allergie in Verbindung stehen (Allergene) und Asthma auslösen können sind:

  • Hausstaub bzw. Exkremente von Hausstaubmilben
  • Bäume-, Gräser- oder Kräuterpollen
  • Schimmelpilzsporen
  • Tierhaare
  • Einige Lebensmittel
  • etc.

Darüber hinaus gibt es noch so genannte unspezifische Auslöser, also Reize, die nicht mit einer Allergie in Verbindung stehen, die bei Menschen mit Asthma ganz unmittelbar einen Anfall bzw. eine Verschlechterung auslösen können, z.B.

  • körperliche Anstrengung
  • urch Viren oder Bakterien hervorgerufene Entzündung der Atemweg
  • Kälte
  • Psychische Einflüsse
  • Zigarettenrauch
  • Parfums
  • Staub/Luftverschmutzung
  • Etc.

Allergien oder Asthma in der Familie erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass auch das Kind von Asthma/einer Allergie betroffen ist. Kinder allergischer Eltern haben ein Risiko von 30% (ein Elternteil betroffen) bis zu 80% (beide Eltern betroffen), selbst eine solche Erkrankung zu entwickeln.

Wie erstellt die Ärztin/der Arzt die Diagnose

Kommt es zu einem Asthmaanfall, ist die Diagnose meist leicht zu stellen. Asthma bei Kindern bereits im Frühstadium zu erkennen, ist aber oft nicht ganz einfach – jedoch besonders wichtig! Die Schulärztin/der Schularzt kann erste Schritte der Diagnose einleiten und wird die Schülerin/den Schüler bei Verdacht an eine Lungenfachärztin/einen Lungenfacharzt zur weiteren Abklärung verweisen.

Zur Diagnose gehören in der Regel:

  • die Erhebung der Vorgeschichte (welche Symptome gab es bisher, Vorerkrankungen, haben die Eltern Allergien/Asthma, Lebensumstände, Haustiere etc.). Beobachten Sie Ihr Kind bzw. die Schülerin/den Schüler genau - die Beschreibung aufmerksamer Eltern oder Lehrerinnen/Lehrer kann die Diagnose erheblich erleichtern.
  • eine körperliche Untersuchung (Abhören der Lunge etc.)
  • ein Lungenfunktionstest (z.B. mit einem Apparat, bei dem man kräftig in ein Mundstück hineinbläst, um das Fassungsvermögen und andere Messwerte der Lunge zu bestimmen).
  • ein Lungenröntgen oder Lungendurchleuchtung (um mögliche angeborene Fehlbildungen oder Entzündungen der Lunge auszuschließen)
  • die Abklärung der Allergiesituation

Wie wird Asthma behandelt?

Vorrangiges Ziel einer Therapie ist es, Kindern von Anfang an ein ganz normales Leben weitgehend ohne Einschränkungen zu ermöglichen oder Asthmaanfälle von vornherein zu vermeiden. Für die Entwicklung der Lunge und der Lebensqualität ist es entscheidend, möglichst früh mit der richtigen Therapie zu beginnen. Alle Bestandteile der Therapie (medikamentös und nicht-medikamentös) müssen unbedingt im Detail mit einer Lungenfachärztin/einem Lungenfacharzt abgestimmt werden.

Lebensstilanpassung

Zunächst ist es wichtig, jene Stoffe zu meiden, die das Asthma auslösen oder verschlimmern. Man kann auch eine Reihe weiterer Maßnahmen ergreifen, um vorzubeugen bzw. den Allgemeinzustand zu verbessern:

  • Körperliches Training, vor allem Ausdauersportarten wie z.B. Schwimmen
  • Asthmaschulung
  • Gewichtsabnahme bei Übergewicht
  • Maßnahmen zum positiven Umgang mit Stresssituationen

Medikamentöse Therapie

Asthmamedikamente können in Form einer Inhalation, einer Tablette und im Notfall als Injektion, verabreicht werden. Die Inhalation ist die gebräuchlichste Art Asthmamedikamente einzunehmen.

Substanzen, die bei der Asthmatherapie eingesetzt werden, erfüllen zwei unterschiedliche Aufgaben:

1. Die Entzündungshemmung (sog. „Controller“)

Controller sollen dauerhaft täglich angewandt werden, um über eine Kontrolle der Entzündung eine Kontrolle des Asthmas zu erreichen. Zu den wichtigsten Substanzen dieser Gruppe gehören inhalative Corticosteroide (Kortison) und Leukotrienantagonisten. Cortikosteroide sind hoch wirksam, werden heute in sehr geringen Mengen verabreicht und sind auch bei Kindern wichtiger Bestandteil der modernen Asthmatherapie. Durch das Inhalieren gelangen sie nur dahin, wo sie wirklich gebraucht werden – nämlich in die Lunge. Sie können hier bedenkenlos der Empfehlung Ihrer Ärztin/Ihres Arztes vertrauen.

2. Die Erweiterung der Bronchien (sog. „Bronchodilatatoren“ oder „Reliever“)

Reliever kommen als Bedarfsmedikation zur Erweiterung der Bronchien zum Einsatz und können auch in der Notfallsbehandlung eingesetzt werden. Sie erweitern die Bronchien und erleichtern daher sehr schnell das Atmen.

Man unterscheidet in der Asthmatherapie ganz allgemein zwischen einer Basistherapie und einer Bedarfstherapie.

Die Basistherapie umfasst immer eine Entzündungshemmung (Controller). Die Controller und Reliever sind auch als Fixkombinationen erhältlich und wegen ihrer zuverlässigen Wirkung bei Patientinnen/Patienten sehr beliebt. Die Einnahme soll täglich erfolgen und vor dem Auftreten von Atembeschwerden schützen.

Die Bedarfstherapie besteht aus einem schnell wirksamen Helfer zur Erweiterung der Bronchien (Reliever).

Mittlerweile gibt es auch so genannte Kombinationspräparate, die die entzündungshemmende Komponente und die Bronchien-erweiternde Komponente in einem einzigen Inhalator (statt bisher mindestens 2) vereinen.

 

Asthma und Sport?

Dass Kinder mit Asthma keinen Sport betreiben sollten, verweisen Mediziner heute eindeutig ins Reich der Märchen! Vielmehr ist angemessene Bewegung für die Entwicklung der Lunge und natürlich auch für die Entwicklung anderer Fähigkeiten wie Koordination und Geschicklichkeit von entscheidender Bedeutung. Wichtig ist, die sportlichen Aktivitäten zwischen Sportlehrerinnen/Sportlehrern, Eltern, (Schul-)ärztinnen/ärzten und dem Kind oder Jugendlichen zu koordinieren und auf die körperlichen Möglichkeiten abzustimmen. Voraussetzung für die Teilnahme am Sportunterricht ist allerdings, dass das Kind selbständig mit den entsprechenden Medikamenten umgehen kann. Alle Sportarten, welche jederzeit unterbrochen werden können, um das Bedarfsmedikament inhalieren zu können sind erlaubt. Vor allem Ausdauersportarten sind geeignet. Für Asthmatiker ist es besonders wichtig, sich vor jeder sportlichen Aktivität aufzuwärmen; abrupte Wechsel sind eine Belastung. Vor jeder sportlichen Aktivität kann man sich mit Medikamenten vor Anstrengungsasthma schützen. Alle Maßnahmen sollten vorab mit einer Lungenfachärztin/ einem Lungenfacharzt besprochen werden.